Norbert Krumm

Ein Syndrom verschiedene Ursachen

Fatiguesymptome bei chronischen Erkrankungen

Das chronische Ermüdungs- und Erschöpfungssyndrom tritt besonders häufig während der Therapie und in fortgeschrittenen Stadien von Tumorerkrankungen auf. Dass auch Menschen mit anderen schweren chronischen Erkrankungen darunter leiden, wird oft übersehen und ihre subjektiven Belastung durch Fatigue im Alltag verkannt. Nachfolgend werden die Auswirkungen der Fatigue bei einigen dieser nicht-Tumor Erkrankungen beschrieben und hilfreiche Hinweise für die Pflege aufgezeigt.

Fatigue beeinträchtigt die Lebensqualität vieler schwerkranker und sterbender Menschen. Sie tritt außer bei Tumorerkrankungen  – besonders häufig bei Patienten mit chronischen Erkrankungen von Organsystemen auf. Menschen mit fortgeschrittenen Stadien III und IV von chronischen Erkrankungen wie etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder mit Herzinsuffizienz sind besonders oft betroffen. Aber auch Patientinnen und Patienten mit chronisch entzündlichen Krankheiten wie Morbus Crohn, Sarkoidose oder Rheuma, mit neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Muskeldystrophien sowie HIV können unter einer ausgeprägten Fatigue leiden.
Die subjektiv erlebten ganzheitlichen Beeinträchtigungen durch Fatigue, die sie schildern, ähneln denen von Menschen mit Tumoren. Neben der körperlichen Dimension spielt besonders die kognitive Ebene mit Symptomen, wie verminderte Konzentrationsfähigkeit und Antriebslosigkeit, eine wichtige Rolle. Wie auch bei der Tumor-bezogenen Fatigue (CRF) lassen sich durch die Erkrankung hervorgerufenen primären Formen von durch die Therapie oder Begleiterkrankungen hervorgerufenen sekundären Formen unterscheiden. Die Ursachen der Fatigue sind jedoch sehr unterschiedlich.
Sonderfall CFS
Die Diagnose einer Fatigue ist oft eine Herausforderung. Erschwert wird sie auch durch Missverständnisse, die durch den Begriff Fatigue entstehen können. So wird eine durch chronische Erkrankungen hervorgerufene Fatigue häufig mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom verwechselt, da dieses auch als chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) bezeichnet wird. Die Bezeichnung täuscht: CFS ist eine eigenständige Erkrankung.
Möglicherweise lösen Infekte, von denen Patientinnen und Patienten sich nicht vollständig erholen, eine CFS aus. Es werden jedoch auch viele andere Ursachen diskutiert. Betroffene Personen ermüden schnell und erleiden außerdem immunologische und neurologische Veränderungen. Geschildert werden Symptome wie schwere Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen.
Eine Besonderheit der CFS ist die sogenannte Post Exertional Malaise. Dabei tritt eine unverhältnismäßige Verstärkung der genannten Symptome nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung auf. Wie bei der CRF, bringen Ruhephasen keine Erholung mehr.
COPD keine Luft und erschöpft
Zu den typischen chronischen Organerkrankungen in der Palliativversorgung gehört die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD. Dabei steht häufig die Behandlung von respiratorischen Symptomen wie Luftnot, Husten und Sekretproduktion im Vordergrund. 50 bis 70 Prozent dieser Patientinnen und Patienten berichten auch von einer sie beeinträchtigenden Fatigue. Sie schildern ein generalisiertes Gefühl von Erschöpfung und Energieverlust, das mit Frustration, Depression und Konzentrationsproblemen einhergeht und zwar in einem Maß, das sie an der Teilnahme am normalen Alltag hindert (Spruit et al., 2017).
Ähnlich wie bei der CR-Fatigue, vermutet man als Ursache ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Dabei scheint die Fatigue nicht mit der Beeinträchtigung des Luftstroms, sondern eher mit zum Teil erheblichen Verschlechterungen (Exazerbationen) des Krankheitsbildes zusammenzuhängen (Goertz et al., 2018), die in der Regel durch virale oder bakterielle Infekte der...

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