Teresa Zetzl

Das soziale Umfeld kann helfen

Psychosoziale Interventionen für ein besseres Energiemanagement

Fatigue rückt in Wissenschaft und Gesellschaft immer stärker in den Fokus. Mit gutem Grund: Es belastet nicht nur die betroffenen Menschen sehr, auch das soziale Umfeld wird stark beeinflusst. Doch Angehörige, Freunde, Bekannte, Pflegende, Arbeitgeber und nicht zuletzt die kranken Personen selbst können viel zu einem besseren Umgang mit der Krankheit beitragen.

Fatigue ist das wohl am meisten belastende Symptom bei einer Krebserkrankung (Muszalik et al., 2016). Es wirkt sich auf der körperlichen, emotionalen und kognitiven Ebene aus und zieht auch das gesamte soziale Umfeld in Mitleidenschaft (Clark et al., 2014).
Betroffene berichten von starker Müdigkeit, die nicht im Verhältnis steht zur vorausgegangenen Anstrengung und die auch durch Schlaf nicht ausreichend verringert werden kann. Früher gewohnte Aktivitäten werden als schwer durchführbar wahrgenommen. Das betrifft ganz gewöhnliche Alltagsaktivitäten wie einkaufen, ins Restaurant gehen oder soziale Aktivitäten (Curt et al., 2000).
Dieser im Alltag auffallende Leistungsabfall gepaart mit großem Ohnmachtserleben kann bei den Betroffenen zu psychischen Problemen führen, was sich wiederum erheblich auf die Bewältigung der Alltagsaktivitäten auswirkt. Vor allem jüngere Menschen werden von den Folgen der Fatigue emotional stark beeinflusst und stoßen in ihrem Umfeld subjektiv auf wenig Verständnis (Curt et al., 2000).
Ursache oder Wirkung?
Trotz vieler Belege für einen starken Zusammenhang zwischen Fatigue und Angst bzw. Depression (Ahlberg et al., 2004; Brown & Kroenke, 2009; Rodrigues et al., 2015) ist die genaue Wirkungsrichtung noch nicht hinreichend überprüft. Gehen Depressionen und Angst der Fatigue voraus oder werden sie durch die Fatigue bedingt? Oder gibt es andere Ursachen, die Depression und/oder Angst und Fatigue gleichermaßen fördern, beispielsweise die Tumorerkrankung?
Depressionen und Ängste können direkte oder auch indirekte Folge von Fatigue sein und durch die Funktionseinschränkung, die empfundene Hilflosigkeit, Leistungsabfall oder auch durch die depressive Krankheitsverarbeitung bedingt sein (Beck et al., 2005). Gleichzeitig ist es naheliegend, dass durch die Müdigkeit und die damit verbundenen Leistungseinbußen die Lebensqualität deutlich sinkt (Ahlberg et al., 2004).
Erlernte Hilflosigkeit
Neben negativen Folgen wie Depression, Angst oder Leistungseinbußen spielt auch das Selbstwirksamkeitserleben eine Rolle. Viele von Fatigue Betroffene sehen weder eine Erklärungs- noch eine Bewältigungsmöglichkeit, was zu erlernter Hilflosigkeit und geringem Selbstwirksamkeitserleben führt. Fast Dreiviertel der Betroffenen gehen davon aus, dass Fatigue zur Krebserkrankung gehört und zu tolerieren sei; die Hälfte meint, dass man nichts dagegen tun kann (Curt et al., 2000). Daher sprechen die Kranken die Fatigue-Symptome selten bei den behandelnden Ärzten und Pflegenden an. Vor allem ältere Menschen sehen keine Notwendigkeit, die Symptome beim Arzt oder dem behandelnden Team zu thematisieren (Curt et al., 2000).
Symptome erfassen
Intensität und Beeinträchtigung durch Fatigue werden sowohl von Ärzten als auch vom onkologischen Pflegepersonal signifikant unterschätzt (Williams et al., 2016). Aus diesem Grund ist es unabdingbar, Intensität und Beeinträchtigung durch Fatigue routinemäßig abzufragen. Immerhin ein Drittel des onkologischen Pflegepersonals erfasst direkt bei den Patienten krebsbedingte Fatigue, von Ärzten und anderen Professionen fragen nur knapp 22 Prozent danach (Pearson et al., 2015).
Als ökonomisch und hilfreich erwiesen sich einzelne Screening-Fragen, wie Fischer et al. (2017) sie empfehlen, z.B.: „Haben Sie sich in letzter Zeit häufig müde und erschöpft gefühlt? (Fatigue-Intensität) oder „Fühlen Sie sich wegen dieser Müdigkeit oder Erschöpfung beeinträchtigt? (Fatigue-Beeinträchtigung). Auf einer...

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