Wir wagen ein Experiment

Gestalten Sie "Ihr Heft"

Seit der ersten Ausgabe von pflegen: Demenz ist es unser Ziel, ein Heft zu gestalten, in dessen Inhalten und Aufbereitung Sie – die Praktiker im Bereich der Pflege demenzerkrankter Menschen – sich wiederfinden. Aus vielen Unterhaltungen und Schriftwechseln mit Leserinnen und Lesern unserer Zeitschrift weiß ich, dass uns dies zumeist gelingt. Aber die Pflege von Menschen mit Demenz ist so vielfältig und bunt wie das Leben! Was liegt also näher als Sie, liebe Leserinnen und Leser, selbst zu „Herausgebern“ einer Ausgabe von pflegen: Demenz zu machen.


Die Dezemberausgabe von pflegen: Demenz in 2020 wird „Ihr Heft“!
Schreiben Sie uns Themen und Materialvorschläge und alles, was Sie bei Ihrer praktischen Arbeit bewegt, bis zum 15. August 2020:

  • Wozu brauchen Sie mehr Informationen?
  • Was wollten Sie schon immer mal in Ihrer Fachzeitschrift lesen?
  • Welches Material ist uns noch nicht eingefallen, dass Sie schmerzlich vermissen?

Jetzt geht es los: Ideen sammeln, vielleicht mit Kolleginnen und Kollegen austauschen … und dann Kontakt aufnehmen mit:
ruesing(at)friedrich-verlag.de
redaktion.pfd(at)friedrich-verlag.de


Schmerzen bei DemenzSchmerzen können Verhaltensauffälligkeiten verursachen

Die Mitteilungsfähigkeit von Menschen mit Demenz ist oft beeinträchtigt. Dadurch ist es möglich, dass Schmerzen bei Demenz nicht erkannt oder unzureichend behandelt werden. Häufig äußert sich dieser Umstand in Verhaltensauffälligkeiten der betroffenen Personen. Um diese Situation zu vermeiden, ist eine frühzeitige Schmerzerkennung wichtig. Auf welche Symptome Sie dabei besonders achten sollten, erfahren Sie im Beitrag.

Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz: Schmerzen erkennen

Schmerzen können sich ganz unterschiedlich ausdrücken. Pflegefachpersonen sollten Menschen mit Demenz genau Beobachtung, um Schmerzen frühzeitig zu erkennen. © evrymmnt/shutterstock.com

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Schmerzen bei Demenz: Symptome erkennen

Wegen der eingeschränkten geistigen Fähigkeiten (Kognition) im Rahmen einer demenziellen Erkrankung fällt es Menschen bei zunehmender Demenzerkrankung schwerer, Schmerz ausreichend zuzuordnen und Bezugspersonen davon zu berichten. Als Folge des anhaltenden und quälenden Schmerzes treten dann häufig sogenannte Verhaltensstörungen auf. Deshalb ist es bei Verhaltensstörungen bei Menschen mit Demenz von immenser Bedeutung, an eine zugrunde liegende Schmerzsymptomatik zu denken.

Praxisbeispiel: Schmerzen machen aggressiv 

Rosa Mertens*, eine 84-jährige Patientin mit fortgeschrittener Demenz vom Alzheimer-Typ, lebt im Pflegeheim und ist pflegebedürftig. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sie Selbst- und Fremdaggressivität. Das Pflegepersonal berichtet außerdem über „Nahrungsverweigerung und Schreiattacken bei Wunschversagen“. Im Heim beginnt der Hausarzt eine symptomatische Behandlung der vermeintlichen Verhaltensauffälligkeiten mit einem Neuroleptikum und einem Stimmungsstabilisator. Nach scheinbar erfolgloser ambulanter Therapie wird Frau Mertens zur „Therapieoptimierung und zur Anlage einer PEG zur künstlichen Ernährung“ ins Krankenhaus

eingewiesen. Dort fällt bei der körperlichen Untersuchung ein Beckenschiefstand auf. In der Röntgenuntersuchung zeigt sich eine Schenkelhalsfraktur als Folge eines offensichtlich unbeobachteten Sturzes. Weil Frau Mertens ihre Schmerzen nicht schildern konnte, entwickelte sie schwere Unruhe und Aggressivität. In der Klinik wurde die Oberschenkelhalsfraktur operiert und eine suffiziente Schmerztherapie durchgeführt. Neuroleptika und Stimmungsstabilisatoren wurden abgesetzt. Nach der postoperativen Rehabilitation kam es zum kompletten Abklingen der Verhaltensauffälligkeiten; die alte Dame war wieder freundlich, zugewandt und hatte guten Appetit.

* Name von der Redaktion geändert

Kognitive und nicht-kognitive Veränderungen berücksichtigen 

Das Praxisbeispiel zeigt, dass im Rahmen einer Demenz nicht nur kognitive Symptome wie Gedächtnisstörungen, Störungen der Fähigkeit, komplexe Formen und Muster zu erkennen (Visuokonstruktion) und der Orientierung, Störungen der Wortfindung oder der Gesichtererkennung etc. sowie die somatischen Symptome wie Inkontinenz, Gangstörung, Krampfanfälle, Schluckstörungen etc. berücksichtigt werden müssen, sondern auch die nicht-kognitiven Symptome, oft auch als Verhaltensauffälligkeiten oder herausforderndes Verhalten bezeichnet. Zu diesem dritten Störungsbereich des Demenzsyndroms zählen sogenannte

  • produktive Symptome: wie Aggressivität, Misstrauen, Unruhe, Schlaf-Wachrhythmusstörungen, Enthemmung, Wahn, Halluzinationen und Angst
  • reaktive Symptome:, z. B. Depressivität, sozialer Rückzug, Apathie und Nichtaufnahme von Nahrung oder Flüssigkeit (Kratz, 2017)

 

Zum Produkt

Mehr Informationen zur Schmerzveränderung im Alter und bei Demenz sowie zur Schmerzerfassung und palliativen Versorgung in Wohngemeinschaften, erhalten Sie in unserer Extraausgabe „Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz“.

Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz

Impulse für die Praxis

 


Schmerzen bei Demenz erkennen: Handlungsempfehlungen 

  • ausführliche Befragung der Betroffenen und der Bezugspersonen
  • ausführliche körperliche Untersuchung
  • Schmerzerfassung mittels BESD (Skale zur Beurteilung von Schmerzen bei Demenz; Basler 2006)
  • Erfassung von Begleiterkrankungen und früherer Operationen
  • Erfassung der Begleitmedikation und deren Nebenwirkungs / Interaktionsprofil
  • Erfassung der Biographie und der sozialen Situation, inklusive früherer Schmerzerlebnisse
  • Erfassung der kognitiven Leistungsfähigkeit

 

Literatur

Kratz, T. (2017): The diagnosis and treatment of behavioral disorders in dementia. Dtsch Arztebl Int, 114: 447–54
Basler H. D, Hüger D, Schuler M. S (2006): Beurteilung von Schmerz bei Demenz (BESD): Untersuchung zur Validität eines Verfahrens zur Beobachtung des Schmerzverhaltens. Schmerz; 20: 519–26.

Schmerzen bei DemenzSchmerzen können Verhaltensauffälligkeiten verursachen

Die Mitteilungsfähigkeit von Menschen mit Demenz ist oft beeinträchtigt. Dadurch ist es möglich, dass Schmerzen bei Demenz nicht erkannt oder unzureichend behandelt werden. Häufig äußert sich dieser Umstand in Verhaltensauffälligkeiten der betroffenen Personen. Um diese Situation zu vermeiden, ist eine frühzeitige Schmerzerkennung wichtig. Auf welche Symptome Sie dabei besonders achten sollten, erfahren Sie im Beitrag.

Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz: Schmerzen erkennen

Schmerzen können sich ganz unterschiedlich ausdrücken. Pflegefachpersonen sollten Menschen mit Demenz genau Beobachtung, um Schmerzen frühzeitig zu erkennen. © evrymmnt/shutterstock.com

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Schmerzen bei Demenz: Symptome erkennen

Wegen der eingeschränkten geistigen Fähigkeiten (Kognition) im Rahmen einer demenziellen Erkrankung fällt es Menschen bei zunehmender Demenzerkrankung schwerer, Schmerz ausreichend zuzuordnen und Bezugspersonen davon zu berichten. Als Folge des anhaltenden und quälenden Schmerzes treten dann häufig sogenannte Verhaltensstörungen auf. Deshalb ist es bei Verhaltensstörungen bei Menschen mit Demenz von immenser Bedeutung, an eine zugrunde liegende Schmerzsymptomatik zu denken.

Praxisbeispiel: Schmerzen machen aggressiv 

Rosa Mertens*, eine 84-jährige Patientin mit fortgeschrittener Demenz vom Alzheimer-Typ, lebt im Pflegeheim und ist pflegebedürftig. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sie Selbst- und Fremdaggressivität. Das Pflegepersonal berichtet außerdem über „Nahrungsverweigerung und Schreiattacken bei Wunschversagen“. Im Heim beginnt der Hausarzt eine symptomatische Behandlung der vermeintlichen Verhaltensauffälligkeiten mit einem Neuroleptikum und einem Stimmungsstabilisator. Nach scheinbar erfolgloser ambulanter Therapie wird Frau Mertens zur „Therapieoptimierung und zur Anlage einer PEG zur künstlichen Ernährung“ ins Krankenhaus

eingewiesen. Dort fällt bei der körperlichen Untersuchung ein Beckenschiefstand auf. In der Röntgenuntersuchung zeigt sich eine Schenkelhalsfraktur als Folge eines offensichtlich unbeobachteten Sturzes. Weil Frau Mertens ihre Schmerzen nicht schildern konnte, entwickelte sie schwere Unruhe und Aggressivität. In der Klinik wurde die Oberschenkelhalsfraktur operiert und eine suffiziente Schmerztherapie durchgeführt. Neuroleptika und Stimmungsstabilisatoren wurden abgesetzt. Nach der postoperativen Rehabilitation kam es zum kompletten Abklingen der Verhaltensauffälligkeiten; die alte Dame war wieder freundlich, zugewandt und hatte guten Appetit.

* Name von der Redaktion geändert

Kognitive und nicht-kognitive Veränderungen berücksichtigen 

Das Praxisbeispiel zeigt, dass im Rahmen einer Demenz nicht nur kognitive Symptome wie Gedächtnisstörungen, Störungen der Fähigkeit, komplexe Formen und Muster zu erkennen (Visuokonstruktion) und der Orientierung, Störungen der Wortfindung oder der Gesichtererkennung etc. sowie die somatischen Symptome wie Inkontinenz, Gangstörung, Krampfanfälle, Schluckstörungen etc. berücksichtigt werden müssen, sondern auch die nicht-kognitiven Symptome, oft auch als Verhaltensauffälligkeiten oder herausforderndes Verhalten bezeichnet. Zu diesem dritten Störungsbereich des Demenzsyndroms zählen sogenannte

  • produktive Symptome: wie Aggressivität, Misstrauen, Unruhe, Schlaf-Wachrhythmusstörungen, Enthemmung, Wahn, Halluzinationen und Angst
  • reaktive Symptome:, z. B. Depressivität, sozialer Rückzug, Apathie und Nichtaufnahme von Nahrung oder Flüssigkeit (Kratz, 2017)

 

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Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz

Impulse für die Praxis

 


Schmerzen bei Demenz erkennen: Handlungsempfehlungen 

  • ausführliche Befragung der Betroffenen und der Bezugspersonen
  • ausführliche körperliche Untersuchung
  • Schmerzerfassung mittels BESD (Skale zur Beurteilung von Schmerzen bei Demenz; Basler 2006)
  • Erfassung von Begleiterkrankungen und früherer Operationen
  • Erfassung der Begleitmedikation und deren Nebenwirkungs / Interaktionsprofil
  • Erfassung der Biographie und der sozialen Situation, inklusive früherer Schmerzerlebnisse
  • Erfassung der kognitiven Leistungsfähigkeit

 

Literatur

Kratz, T. (2017): The diagnosis and treatment of behavioral disorders in dementia. Dtsch Arztebl Int, 114: 447–54
Basler H. D, Hüger D, Schuler M. S (2006): Beurteilung von Schmerz bei Demenz (BESD): Untersuchung zur Validität eines Verfahrens zur Beobachtung des Schmerzverhaltens. Schmerz; 20: 519–26.

Schmerzen bei DemenzSchmerzen können Verhaltensauffälligkeiten verursachen

Die Mitteilungsfähigkeit von Menschen mit Demenz ist oft beeinträchtigt. Dadurch ist es möglich, dass Schmerzen bei Demenz nicht erkannt oder unzureichend behandelt werden. Häufig äußert sich dieser Umstand in Verhaltensauffälligkeiten der betroffenen Personen. Um diese Situation zu vermeiden, ist eine frühzeitige Schmerzerkennung wichtig. Auf welche Symptome Sie dabei besonders achten sollten, erfahren Sie im Beitrag.

Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz: Schmerzen erkennen

Schmerzen können sich ganz unterschiedlich ausdrücken. Pflegefachpersonen sollten Menschen mit Demenz genau Beobachtung, um Schmerzen frühzeitig zu erkennen. © evrymmnt/shutterstock.com

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Schmerzen bei Demenz: Symptome erkennen

Wegen der eingeschränkten geistigen Fähigkeiten (Kognition) im Rahmen einer demenziellen Erkrankung fällt es Menschen bei zunehmender Demenzerkrankung schwerer, Schmerz ausreichend zuzuordnen und Bezugspersonen davon zu berichten. Als Folge des anhaltenden und quälenden Schmerzes treten dann häufig sogenannte Verhaltensstörungen auf. Deshalb ist es bei Verhaltensstörungen bei Menschen mit Demenz von immenser Bedeutung, an eine zugrunde liegende Schmerzsymptomatik zu denken.

Praxisbeispiel: Schmerzen machen aggressiv 

Rosa Mertens*, eine 84-jährige Patientin mit fortgeschrittener Demenz vom Alzheimer-Typ, lebt im Pflegeheim und ist pflegebedürftig. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sie Selbst- und Fremdaggressivität. Das Pflegepersonal berichtet außerdem über „Nahrungsverweigerung und Schreiattacken bei Wunschversagen“. Im Heim beginnt der Hausarzt eine symptomatische Behandlung der vermeintlichen Verhaltensauffälligkeiten mit einem Neuroleptikum und einem Stimmungsstabilisator. Nach scheinbar erfolgloser ambulanter Therapie wird Frau Mertens zur „Therapieoptimierung und zur Anlage einer PEG zur künstlichen Ernährung“ ins Krankenhaus

eingewiesen. Dort fällt bei der körperlichen Untersuchung ein Beckenschiefstand auf. In der Röntgenuntersuchung zeigt sich eine Schenkelhalsfraktur als Folge eines offensichtlich unbeobachteten Sturzes. Weil Frau Mertens ihre Schmerzen nicht schildern konnte, entwickelte sie schwere Unruhe und Aggressivität. In der Klinik wurde die Oberschenkelhalsfraktur operiert und eine suffiziente Schmerztherapie durchgeführt. Neuroleptika und Stimmungsstabilisatoren wurden abgesetzt. Nach der postoperativen Rehabilitation kam es zum kompletten Abklingen der Verhaltensauffälligkeiten; die alte Dame war wieder freundlich, zugewandt und hatte guten Appetit.

* Name von der Redaktion geändert

Kognitive und nicht-kognitive Veränderungen berücksichtigen 

Das Praxisbeispiel zeigt, dass im Rahmen einer Demenz nicht nur kognitive Symptome wie Gedächtnisstörungen, Störungen der Fähigkeit, komplexe Formen und Muster zu erkennen (Visuokonstruktion) und der Orientierung, Störungen der Wortfindung oder der Gesichtererkennung etc. sowie die somatischen Symptome wie Inkontinenz, Gangstörung, Krampfanfälle, Schluckstörungen etc. berücksichtigt werden müssen, sondern auch die nicht-kognitiven Symptome, oft auch als Verhaltensauffälligkeiten oder herausforderndes Verhalten bezeichnet. Zu diesem dritten Störungsbereich des Demenzsyndroms zählen sogenannte

  • produktive Symptome: wie Aggressivität, Misstrauen, Unruhe, Schlaf-Wachrhythmusstörungen, Enthemmung, Wahn, Halluzinationen und Angst
  • reaktive Symptome:, z. B. Depressivität, sozialer Rückzug, Apathie und Nichtaufnahme von Nahrung oder Flüssigkeit (Kratz, 2017)

 

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Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz

Impulse für die Praxis

 


Schmerzen bei Demenz erkennen: Handlungsempfehlungen 

  • ausführliche Befragung der Betroffenen und der Bezugspersonen
  • ausführliche körperliche Untersuchung
  • Schmerzerfassung mittels BESD (Skale zur Beurteilung von Schmerzen bei Demenz; Basler 2006)
  • Erfassung von Begleiterkrankungen und früherer Operationen
  • Erfassung der Begleitmedikation und deren Nebenwirkungs / Interaktionsprofil
  • Erfassung der Biographie und der sozialen Situation, inklusive früherer Schmerzerlebnisse
  • Erfassung der kognitiven Leistungsfähigkeit

 

Literatur

Kratz, T. (2017): The diagnosis and treatment of behavioral disorders in dementia. Dtsch Arztebl Int, 114: 447–54
Basler H. D, Hüger D, Schuler M. S (2006): Beurteilung von Schmerz bei Demenz (BESD): Untersuchung zur Validität eines Verfahrens zur Beobachtung des Schmerzverhaltens. Schmerz; 20: 519–26.

Schmerzen bei DemenzSchmerzen können Verhaltensauffälligkeiten verursachen

Die Mitteilungsfähigkeit von Menschen mit Demenz ist oft beeinträchtigt. Dadurch ist es möglich, dass Schmerzen bei Demenz nicht erkannt oder unzureichend behandelt werden. Häufig äußert sich dieser Umstand in Verhaltensauffälligkeiten der betroffenen Personen. Um diese Situation zu vermeiden, ist eine frühzeitige Schmerzerkennung wichtig. Auf welche Symptome Sie dabei besonders achten sollten, erfahren Sie im Beitrag.

Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz: Schmerzen erkennen

Schmerzen können sich ganz unterschiedlich ausdrücken. Pflegefachpersonen sollten Menschen mit Demenz genau Beobachtung, um Schmerzen frühzeitig zu erkennen. © evrymmnt/shutterstock.com

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Schmerzen bei Demenz: Symptome erkennen

Wegen der eingeschränkten geistigen Fähigkeiten (Kognition) im Rahmen einer demenziellen Erkrankung fällt es Menschen bei zunehmender Demenzerkrankung schwerer, Schmerz ausreichend zuzuordnen und Bezugspersonen davon zu berichten. Als Folge des anhaltenden und quälenden Schmerzes treten dann häufig sogenannte Verhaltensstörungen auf. Deshalb ist es bei Verhaltensstörungen bei Menschen mit Demenz von immenser Bedeutung, an eine zugrunde liegende Schmerzsymptomatik zu denken.

Praxisbeispiel: Schmerzen machen aggressiv 

Rosa Mertens*, eine 84-jährige Patientin mit fortgeschrittener Demenz vom Alzheimer-Typ, lebt im Pflegeheim und ist pflegebedürftig. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sie Selbst- und Fremdaggressivität. Das Pflegepersonal berichtet außerdem über „Nahrungsverweigerung und Schreiattacken bei Wunschversagen“. Im Heim beginnt der Hausarzt eine symptomatische Behandlung der vermeintlichen Verhaltensauffälligkeiten mit einem Neuroleptikum und einem Stimmungsstabilisator. Nach scheinbar erfolgloser ambulanter Therapie wird Frau Mertens zur „Therapieoptimierung und zur Anlage einer PEG zur künstlichen Ernährung“ ins Krankenhaus

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* Name von der Redaktion geändert

Kognitive und nicht-kognitive Veränderungen berücksichtigen 

Das Praxisbeispiel zeigt, dass im Rahmen einer Demenz nicht nur kognitive Symptome wie Gedächtnisstörungen, Störungen der Fähigkeit, komplexe Formen und Muster zu erkennen (Visuokonstruktion) und der Orientierung, Störungen der Wortfindung oder der Gesichtererkennung etc. sowie die somatischen Symptome wie Inkontinenz, Gangstörung, Krampfanfälle, Schluckstörungen etc. berücksichtigt werden müssen, sondern auch die nicht-kognitiven Symptome, oft auch als Verhaltensauffälligkeiten oder herausforderndes Verhalten bezeichnet. Zu diesem dritten Störungsbereich des Demenzsyndroms zählen sogenannte

  • produktive Symptome: wie Aggressivität, Misstrauen, Unruhe, Schlaf-Wachrhythmusstörungen, Enthemmung, Wahn, Halluzinationen und Angst
  • reaktive Symptome:, z. B. Depressivität, sozialer Rückzug, Apathie und Nichtaufnahme von Nahrung oder Flüssigkeit (Kratz, 2017)

 

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  • ausführliche Befragung der Betroffenen und der Bezugspersonen
  • ausführliche körperliche Untersuchung
  • Schmerzerfassung mittels BESD (Skale zur Beurteilung von Schmerzen bei Demenz; Basler 2006)
  • Erfassung von Begleiterkrankungen und früherer Operationen
  • Erfassung der Begleitmedikation und deren Nebenwirkungs / Interaktionsprofil
  • Erfassung der Biographie und der sozialen Situation, inklusive früherer Schmerzerlebnisse
  • Erfassung der kognitiven Leistungsfähigkeit

 

Literatur

Kratz, T. (2017): The diagnosis and treatment of behavioral disorders in dementia. Dtsch Arztebl Int, 114: 447–54
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