Resilienz in der Pflege: Selbstsorge im Pflegeberuf als Grundlage gesunder BeziehungenResilienz, Achtsamkeit und Selbstreflexion im Pflegeberuf

Wie können Pflegende für sich selbst sorgen und gleichzeitig eine hochwertige Patientenfürsorge garantieren? Zu den Konzepten und Interventionen der Selbstsorge gehören unter anderem Resilienz, Achtsamkeit und Selbstreflexion. Was steckt hinter diesen Begriffen? Und wie können diese Interventionen im Berufsalltag eingesetzt werden?

Konzepte zur Selbstsorge: Resilienz, Achtsamkeit und Selbstreflexion

Selbstsorge im Pflegeberuf: Diese Konzepte und Strategien sollten Sie kennen. © fizkes/shutterstock.com

|

Ein erster Schritt zur Selbstsorge ist das Erkennen der Überlastung, der konkreten Belastungsfaktoren und der Arbeitsüberlastung. Im nächsten Schritt können unterschiedliche Konzepte und Strategien ausprobiert und im eigenen Alltag gelebt werden.

Konzepte und Strategien zur Selbstsorge

Resilienz in der Pflege

Der Begriff Resilienz steht für Belastbarkeit und innere Stärke und beschreibt die Fähigkeit, sich „… auf wechselnde Lebenssituationen und Anforderungen in sich ändernder Situationen flexibel und angemessen zu reagieren und stressreiche, frustrierende, schwierige und belastende Situationen ohne psychische Folgeschäden zu meistern“ (Stangl, 2019: 1). Resiliente Menschen bleiben auch in belastenden Situationen psychisch stabil. Sie können kreativ und flexibel auf Krisen reagieren, erholen sich schneller von Niederlagen und erleben Belastungen eher als Herausforderungen (Wustmann, 2007). Resilienzfähigkeit wird beispielsweise in Krisen (Krankheit, Verlust etc.), Konflikten, bei Misserfolgen oder traumatischen Erfahrungen undin beruflichen Kontexten, in denen es zu Überlastungen kommt Resilienz kann als Immunsystem unserer Seele bezeichnet werden. Daher ist die Fähigkeit zur Resilienz im Falle negativer Erfahrungen von zentraler Bedeutung für die Selbstsorge, um psychische Probleme und Störungen vorzubeugen (Stangl, 2019). Resilienz in der Pflege ist ein Konzept zur Selbstsorge.

Achtsamkeit: Stress reduzieren

Sie bezeichnet das Leben im Hier und Jetzt und ist besonders hilfreich, um die eigenen Bedürfnisse und die des Patienten wahrzunehmen (Schmid, 2011). Das Betrachten einer Situation, ohne diese zu bewerten, führt zur Akzeptanz (Kern, 2019). Der Begriff „Achtsamkeit“ beschreibt einen besonderen Bewusstseinsmodus. Man richtet die Aufmerksamkeit absichtlich und nicht wertend auf das unmittelbare Erleben. Das Geschehen und das, was man gerade tut – z. B. das Trinken eines Schlucks Wasser – werden genau beobachtet. Anstatt in Gedanken zu sein, wie es häufig bei unserem „Autopiloten“ passiert, fokussiert man die Aufmerksamkeit auf die Präsenz (Orellana & Schmidt, 2015). Forschung im klinischen Bereich zeigt die Wirksamkeit von Achtsamkeitsinterventionen in der Reduktion vom Berufsstress, Burn-out, Ängstlichkeit, Depressivität – aber auch bei der Erhöhung von Empathie, Mitgefühl, Selbstmitgefühl (Escuriex, & Labbé, 2011). Zur Wirkung von Achtsamkeitspraktiken in der Pflege gibt es aber bisher nur sehr wenig Forschung (Orellana & Schmidt, 2015).

Eine Pilotuntersuchung zu Achtsamkeits- und Mitgefühlspraktiken direkt am Arbeitsplatz im Palliativzentrum des Malteser-Krankenhauses in Bonn im Jahr 2012 zeigte bedeutende Verbesserungen bei zwei der drei Burn-out-Komponenten sowie eine Reduktion von Angst und wahrgenommenem Stress im ganzen Team. Zudem führte das Training zur signifikanten Verbesserung von zwei berufsrelevanten Kompetenzen der Emotionsregulation: die Aufmerksamkeit für die eigenen Emotionen und die Fähigkeit, negative Emotionen auszuhalten.

Positive Veränderungen bezogen sich auf:

  • die Freude an der Arbeit
  •  die Konzentrationsfähigkeit
  •  das Schlafverhalten
  •  das allgemeine Wohlbefinden
  •  die Lebensqualität,
  • die Entspannungsfähigkeit und
  • die Anzahl angenehmer Aktivitäten

(Orellana & Schmidt, 2015)

Selbstreflexion: Die Sorge um sich selbst

Eine rationale Herangehensweise an die Tätigkeit und das Stecken realistischer Ziele – anstatt zu hoher Ansprüche an sich selbst – können entlasten. Zudem hilft die Fokussierung auf die eigene Rolle als beruflich Pflegende – und nicht als Partnerin oder Freundin von Patienten. Selbstreflexion, die Anerkennung der eigenen Vulnerabilität und die Auseinandersetzung mit der eigenen (Verlust-)Biografie, wie auch die Arbeit an sich selbst – z. B. das Trainieren von Gedankenstopp beim Grübeln, regelmäßige Selbstbelohnungen und kontinuierliche Sorge um sich selbst wirken positiv (Kern, 2019).


 

Zur Ausgabe 'Beziehungen'

Weitere Konzepte und Intervention zur Selbstsorge sind zum Beispiel: Mitgefühl, Routinen und positive Interaktionen sowie die Wittener Werkzeuge.
Mehr zu diesen und anderen Konzepten erfahren Sie in der 44 Ausgabe von pflegen: palliativ „Beziehungen“.


Beziehungen

pflegen: palliativ Nr. 44/2019

Das rechnet sich!

30 % Rabatt für Auszubildende und Studierende

Auszubildende und Studierende erhalten 30 % Rabatt auf das Jahres-Abo der Zeitschriften. Als Abonnent erhalten Sie zusätzlich weitere Preisermäßigungen für viele Produkte des Verlags.

Mehr erfahren

Fachnewsletter Pflege

Exklusive Goodies  Praxis-Tipps
Aktuelles  Jederzeit kostenlos kündbar