Wissen kurz gefasst Stomatitis: Symptome, pflegerische Intervention und Prävention

Menschen in palliativen Situationen können an einer Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis), einer Sonderform der Mukositis, leiden. Eiswürfel und Mundspülungen können der Stomatitis in bestimmten Situationen vorbeugen. Im Beitrag erfahren Sie mehr zur angemessenen Prävention und Gradeinteilung der Entzündung.

pflegen: palliativ informiert über die Symptome, Behandlung und Prävention einer Mukositis

Die Behandlung einer Stomatitis sollte individuell erfolgen und ist von unterschiedlichen Faktoren anhängig © Daniel Albany/pixabay

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Was ist eine Stomatitis? 

Bei Patienten, die palliativ gepflegt und behandelt werden, kann sich die Schleimhaut des Verdauungstrakts entzünden. Diese Entzündung wird in der Fachsprache als Mukositis bezeichnet. Eine Sonderform der Mukositis liegt vor, wenn die Mundschleimhaut entzündet ist; hier spricht man von einer Stomatitis, auch orale Mukositis genannt. Circa 40 Prozent der Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, entwickeln in der Folge eine Stomatitis, bei einer Stammzellentransplantation sind es nahezu 80 Prozent der betroffenen Personen (Oncology Nursing Society, 2016). Somit verwundert es nicht, dass das Thema vor allem in der onkologischen Pflege bzw. in der onkologischen Palliative Care hohe Relevanz hat.

Mögliche Ursachen:

  • Chemotherapie
  • ausgeprägte Mundtrockenheit
  • Entzündungen durch Bakterien oder Pilze
  • Bestrahlungen im Mund-Rachen- Raum

(DKG et al., 2017; Bausewein et al., 2012)

Symptome 

Zu erkennen ist die Stomatitis an einer geröteten und geschwollenen Mundschleimhaut. Die Patienten berichten über Schmerzen und Brennen beim Essen und Kauen. Dies sind die Anzeichen des ersten Entzündungsstadiums. Im Verlauf können runde bis ovale Schleimhautschäden (Aphthen) und -wunden mit oder ohne Beläge hinzukommen. Um den Grad der Stomatitis zu bestimmen und die Behandlungserfolge zu evaluieren, können verschiedene Grade der Entzündung unterschieden werden.

 

 

Gradeinteilung der Stomatitis | Adaptiert nach NHS, 2010

Die Stomatitis hat bereits ab Grad 3 weitreichende Auswirkungen, da es in der Folge zu Anorexie, Dehydration, Mangelernährung und Gewichtsabnahme kommen kann (Oncology Nursing Society, 2016).

Prävention und Behandlung der Stomatitis

Lokal kann der Stomatitis mit regelmäßigen Mundspülung mit Wasser oder NaCl 0,9 Prozent vorgebeugt werden. Im Zusammenhang mit einer chemotherapeutischen Behandlung mit Bolus 5-Fluorouracil ist eine Prävention mittels Kältetherapie (Kryotherapie) erfolgreich. Dazu werden 30 Minuten lang Eiswürfel gelutscht (DKG et al., 2017).

Wichtiges Element der pflegerischen Behandlung ist darüber hinaus die regelmäßige Inspektion der Mundhöhle mithilfe eines standardisierten Assessmentinstruments, wie beispielsweise von Eilers et al. (1988) entwickelt.

Behandelt wird die Mundschleimhautentzündung mit lokalen (z. B. Lidocain-Gel) oder systemisch verabreichten Medikamenten (z. B. Opioiden). Die Nahrung sollte entsprechend angepasst werden: weich, keine Brotrinde, keine scharfen Speisen. Darüber hinaus ist auf eine gute Mundpflege / -hygiene zu achten (DKG et al. 2017). Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hält die Schleimhäute feucht, was den Heilungsverlauf positiv unterstützt (Heinzerling et al., 2014).


 

Zur Ausgabe 'Krebs'

Die Beiträge der aktuellen Ausgabe pflegen: palliativ: „Krebs“ bereiten die wichtigsten Fakten im Zusammenhang mit der Behandlung und Pflege von Menschen mit einer Krebserkrankung auf und zeigen Ihnen, wie diese in der palliativen Pflegepraxis eingesetzt werden können.


Krebs

pflegen: palliativ Nr. 45/2020

 


Literatur

Bausewein, C.; Delagardelle, I.; Hentrisch, M.; Langenbach, R.; Strohscheer, I. (2012): Gastrointestinale Symptome. In: Aulbert, E.; Nauck, F.; Radbruch, L. (Hrsg.). Lehrbuch der Palliativmedizin. 3. Auflage, Stuttgart: Schattauer Verlag
DKG, Deutsche Krebshilfe, AWMF (2017): S3-Leitlinie. Supportive Therapie bei onkologischen Patienten. Unter: www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032- 054OLl_S3_Supportiv_2017-05.pdf (eingesehen am 14.12.17)
Eilers, J.; Berger; A.M.M.; Petersen M.C. (1988): Development, testing, and application of the oral assessment guide. Oncol Nurs Forum, 15(3): 325–330

Heinzerling, L.; Hartmann, A.; Hund, G.; Schuler, G. (2014): Medikamentöse Tumortherapie in der Derma-Onkologie. Heidelberg: Springer Verlag. Unter: https://acsjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.3322/canjclin.51.5.290 (eingesehen am 14.12.17)
National Health Service (2010): Common Terminology Criteria for Adverse Events CTCAE. Unter: evs.nci.nih.gov// (eingesehen am 14.12.17)
Oncology Nursing Society (2016): Mucositis. Unter: https://www.ons.org/ practice-resources/pep/mucositis (eingesehen am 14.12.17)

* Für Angaben und Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag keine Gewähr übernommen werden. Entsprechende Angaben sind vom jeweiligen Anwender im Einzelfall zu überprüfen. 

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