Blogreihe: Palliative SedierungstherapieHäufigkeiten, Indikationen und Medikamente

Verkürzt die Palliative Sedierungstherapie (PST) die Lebenszeit? Wie häufig und wie lange wird sie angewendet? Erfahren Sie mehr über aktuelle Untersuchungen zur Anwendung der PST.

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Die Studienlage zur Palliativen Sedierungstherapie (PST) ist derzeit begrenzt. Einerseits finden sich viele kleine retrospektive Studien, in denen vorhandene Daten rückblickend gesammelt und analysiert werden, und prospektive Studien, in denen Daten zum Studienbeginn und über einen bestimmten Zeitraum gesammelt und analysiert werden. Andererseits beinhalten diese schlechte Vergleichsgruppen und sind nicht randomisiert. Das heißt, für die Studien wurde kein kontrolliertes, für die jeweiligen Fragestellungen am besten nachgewiesenes, Studiendesign verwendet.

Verkürzung der Lebenszeit?

Zwei ausgewertet und im Ergebnis zusammengefasste Studien (Metaanalysen) kommen zu dem Ergebnis, dass in Bezug auf Häufigkeit und Dauer der PST große Abweichungen auftreten. Übereinstimmend ergeben sich keine Hinweise auf einen lebensverkürzenden Effekt der PST (Maltoni et al. 2012, Beller et al. 2015, Schur et al. 2016).

Wie oft wird die Palliative Sedierungstherapie angewendet?

In den Niederlanden, Belgien und der Schweiz wird eine kontinuierliche tiefe PST bis zum Tod in 12 – 18 Prozent aller nicht plötzlichen Todesfälle vorgenommen (Bosshard et al. 2016, Chambaere et al. 2015, van der Heide et al. 2017, Ziegler et al. 2018). In spezialisierten palliativen Settings zeigt sich international ein enormer Unterschied in der Anwendung der PST die von 12 – 67 Prozent reicht (Maltoni et al. 2012, Beller at al. 2015). Eine Umfrage zur Anwendung in Deutschland ergab ebenfalls große Unterschiede (Klosa et al. 2014). Und auch eine österreichweite retrospektive Datenanalyse bestätigte das sehr uneinheitliche Bild:

In 23 an der Studie teilnehmenden Palliativstationen und Mobilen Palliativteams wurde eine PST bei 0 – 54 Prozent der Patienten durchgeführt. Der Beobachtungszeitraum betrug ein Jahr. Jede Sedierung über mehr als zwölf Stunden in den letzten zwei Lebenswochen wurde in die Studie einbezogen (Schur et al. 2016).

Wie lange wird die Therapie angewendet?

Eine ähnlich große Variation wie in der Häufigkeit lässt sich bei der Dauer der PST finden. Diese liegt international zwischen 19 Stunden bis 12,6 Tagen (Maltoni et al. 2012, Beller at al. 2015).

Die Datenanalyse in Österreich ergab, dass ein Drittel der Patienten weniger als 24 Stunden sediert waren - aber auch fünf Patienten über einen Zeitraum von drei Wochen (Schur et al. 2016). Erklärlich wird dies möglicherweise dadurch, dass die Befragung nicht auf eine bestimmte Form oder Tiefe der PST abgestellt wurde.

Was ist die häufigste Indikation für eine Palliative Sedierungstherapie?

Die häufigsten Indikationen für eine PST sind:

  • Delir mit mehr als 50 Prozent
  • Atemnot mit 30 Prozent
  • existentielle Krisen mit 32 Prozent bzw. psychological distress (19%) sowie
  • Schmerz mit knapp 20 Prozent

Da Mehrfachnennungen möglich waren, geht aus den Studien nicht hervor, inwieweit die existentielle Krise bzw. psychological distress Hauptindikation war, oder ob sie durch andere Symptomatik hervorgerufen oder mitbeeinflusst wurde (Maltoni et al. 2012, Schur et al. 2016).

Medikation* in der Palliativen Sedierungstherapie

Als Mittel der Wahl werden in den Empfehlungen zur Medikation übereinstimmend Benzodiazepine, am häufigsten Midazolam, angegeben. Je nach Situation kann eine Kombination mit sedierend wirkenden Neuroleptika, z.B. Levomepromazin sinnvoll sein. Wird nach sorgfältiger Dosisanpassung (Titration) keine ausreichende Wirkung erzielt, kann auf Propofol umgestiegen werden.

Konsens herrscht darüber, dass Morphine ungeeignete Mittel zur PST sind. Als Kombinationspräparat sind sie ausschließlich bei Atemstillstand (Asphyxie), Atemnot oder Schmerzen empfehlenswert. Diesbezüglich ist die in manchen Bereichen gängige Praxis, in der Terminalphase „sicherheitshalber“ Morphine zu verabreichen, als kritisch zu sehen.

So geht es weiter…

Der gewissenhafte Entscheidungsfindungsprozess: Die Entscheidung für eine Palliative Sedierungstherapie sollte gut überlegt sein. Verschiedene Aspekte sind gegeneinander abzuwägen und bestimmte Punkte sollten in den Entscheidungsfindungsprozesseinfließen. Erfahren Sie mehr über die wichtigsten Punkte.

 


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Literatur und Quellen

Alt-Epping B et al.: Sedierung in der Palliativmedizin. Leitlinie für den Einsatz sedierender Maßnahmen in der Palliativversorgung. European Association for Palliative Care (EAPC). Schmerz 2010; 24: 342-354

Beller EM et al: Palliative pharmacological sedation for terminally ill adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 1. Art. No.: CD010206. DOI: 10.1002/14651858.CD010206.pub2.

Bosshard G. et al.: Medical end-of life praxtices in Switzerland: A comparison of 2001 and 2013. 21.03.2018, 20:43. www.geriatrie.usz.ch/Documents/Publications%20Bosshard%20July%202016.pdf

Chambaere K. et al.: Recent trends in euthanasia and other end-of-life practices in Belgium. In: New England Journal of Medicine . 372(12).p.1169 . 1181. 2015

Cherny N, Radbruch L: EAPC recommended framework for the use of sedation in Palliative Care. Pall Med. 2009; 23 (7):581-559

Klosa PR et al.: The EAPC framework on palliative sedation and clinical practice—a questionnaire-based survey in Germany. Support Care Cancer 22:2621–2628. 2014

Maltoni M et al: Palliative Sedation in End-of-Life Care and survival: a Systematic Review.  J Clinical Oncology 2012; Volume 30, Nr. 12

Schildmann E, Schildmann J: Palliative sedation therapy: a systematic literature review and critical appraisal of available guidance on indication and decision making. J Palliat Med 2014; 17 (5): 601-611

Schildmann E, Schildmann J, Kiesewetter I: Medication and monitoring in palliative sedation therapy: A systematic review and quality assessment of published guidelines. J Pain Symptom Management 2015; 49 (4): 734-746

Schur S et al: Sedation at the end of life - a nation-wide study in palliative care units in Austria. BMC Palliative Care (2016) 15:50. DOI 10.1186/s12904-016-0121-8.

Van der Heide A. et al.: End-of-Life Decisions in the Netherlands over 25 Years. In: N Engl. J. Med. 2017 Aug 3:377(5):492-494. DOI: 10.1056/NEJMc1705630.

Weixler D et al: Leitlinie zur Palliativen Sedierungstherapie. Ergebnisse eines Delphiprozesses der Österreichischen Palliativgesellschaft. Wiener Medizinische Wochenschrift 2016.  DOI 10.1007/s10354-016-0533-3

Ziegler S. et al.: Continuous Deep Sedation Until Death – a Swiss Death Certificate Study. In: Journal of General Internal Medicine. Volume 33, Issue 7, pp 1052 – 1059. July 2018. https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11606-018-4401-2

*Für Angaben und Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag keine Gewähr übernommen werden. Entsprechende Angaben sind vom jeweiligen Anwender im Einzelfall zu überprüfen. 

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