Blogreihe: Palliative SedierungstherapieDer gewissenhafte Entscheidungsfindungsprozess

Die Palliative Sedierungstherapie (PST) gilt als letztes geeignetes Mittel, um eine Symptom zu behandeln. Ob sie zum Einsatz kommt, sollte gründlich in einem Entscheidungsfindungsprozess abgewogen werden. Dabei ist auch die sorgfältige Organisation zu bedenken. Wie die einzelnen Schritte aussehen können, erfahren Sie im Beitrag.

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Entscheidungsfindungsprozess

Da eine Palliative Sedierungstherapie (PST) als letztes geeignetes Mittel (Ultima Ratio) der Symptombehandlung gilt, bedarf es eines gewissenhaften Entscheidungsfindungsprozesses. Idealerweise sind folgende Voraussetzungen abzuklären und zu protokollieren:

Indikation: Besteht ein unerträgliches Leiden an therapierefraktärer Symptomatik?

Zum Beispiel:

  • physische Symptome wie agitiertes Delir, Atemnot, Schmerzen, etc.
  • nicht-physische Symptome wie depressive Zustände, Angst, existentielle Krise. Dabei besteht kein Einigkeit darüber, ob eine Bewusstseinsminderung oder Aufhebung mittels medikamentöser Maßnahmen eine geeignete Therapie darstellen kann
  • Notfallsituationen wie massive Blutungen, Atemstillstand (Asphyxie), schwere terminale Atemnot, Krampfanfälle

Prognose: Je tiefer und kontinuierlicher die PST geplant ist, desto kürzer sollte die erwartete Überlebenszeit sein. Für eine tiefe, kontinuierliche PST gelten Stunden bis maximal Tage als Richtwert.

Organisationsprozess

Die Palliative Sedierungstherapie sollte gut organisiert sein. Die Gesamtverantwortung trägt ein Arzt, während die Überwachung und Kontrolle überwiegend der Pflege obliegt. Im zeitlichen Ablauf einer PST sollten zunächst folgende Prozesse stattfinden:

Vor der Therapie

Es ist zu klären, woher der Impuls zur PST kommt:

  • vom Patienten selbst, von Angehörigen oder professionellen Betreuern.
  • Das refraktäre, also auf bestmögliche Therapien nicht ansprechende Zielsymptom, ist zu benennen. Es muss geklärt sein, mittels welchen Einschätzungen (Assessments) der Erfolg der PST evaluiert wird und welche Form und Tiefe der PST am geeignetsten erscheint.
  • Weiter ist zu klären, ob zur Überwachung ein Monitoring oder Überprüfung des Comfort (Mimik, Körperspannung, Schweiß, Tränen, Lautäußerungen) herangezogen wird. Einigkeit sollte über das Fortführen von Therapien sowie Ernährung und Flüssigkeitszufuhr bestehen.
  • Außerdem sollte klar sein, welcher Weg bei unerwarteter Stabilisierung und dadurch länger als prognostiziertem Überleben des Patienten beschritten werden soll.
  • Das informierte Einverständnis des Patienten zum geplanten Vorgehen ist Voraussetzung für eine PST. Eine Behandlung ohne Einwilligung des Patienten bzw. seines gesetzlichen Vertreters kann laut Leitlinien (LL), nur bei schwerer Notfallsymptomatik, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unmittelbar zum Tod führen wird, erfolgen. Dies wäre etwa bei einer Massenblutung, Asphyxie (Atemstillstand) oder Delir mit selbstschädigendem Verhalten der Fall.

So geht es weiter...

Organisation ist alles!:  Beginn, im Verlauf und am Ende der Palliativen Sedierungstherapie beachtet werden? Erfahren Sie mehr über den Organisationsprozess. Was gilt es zu beachten?

 


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Literatur und Quellen:

Alt-Epping B et al.: Sedierung in der Palliativmedizin. Leitlinie für den Einsatz sedierender Maßnahmen in der Palliativversorgung. European Association for Palliative Care (EAPC). Schmerz 2010; 24: 342-354

Cherny N, Radbruch L: EAPC recommended framework for the use of sedation in Palliative Care. Pall Med. 2009; 23 (7):581-559

Hofmann S: Dokumentationsbogen Palliative Sedierung Version Erlangen/Version 1 http://www.palliativmedizin.uk-erlangen.de/forschung/downloads/dokumentationsvorlagen-palliative-sedierung/  11.06.2019, 13.55

Klein C: Entscheidungsprotokoll Palliative Sedierung. UK Erlangen. http://www.palliativmedizin.uk-erlangen.de/forschung/downloads/dokumentationsvorlagen-palliative-sedierung/  11.06.2019, 13.55

Weixler D et al: Leitlinie zur Palliativen Sedierungstherapie. Ergebnisse eines Delphiprozesses der Österreichischen Palliativgesellschaft. Wiener Medizinische Wochenschrift 2016.  DOI 10.1007/s10354-016-0533-3 

 

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