Blogreihe: Palliative SedierungstherapieDie unterschiedlichen Rollen in der Palliativen Sedierungstherapie

Patienten, Angehörige oder Pflegekräfte. Jeder hat eine andere Rolle in der Palliativen Sedierungstherapie (PST) und damit unterschiedliche Aufgaben und Bedürfnisse. Was sollte im Kontakt mit Patienten und Angehörigen beachtet werden? Welche Absprachen im interprofessionellen Team sollten klar sein?

© Pezibaer/pixabax

|

Die Bedeutung für den Patienten

Dem Patienten stehen ausreichende und einfühlsame Informationen über die Konsequenzen der Palliativen Sedierungstherapie (PST) abseits der Symptomlinderung zu. Neben einer Einigung über Ziel, Evaluation, weiterführende Therapien und die angewandte Form der PST, ist auf den Grad der Pflegebedürftigkeit hinzuweisen.

Es sollten folgende Szenarien geklärt sein:

  • Absprachen über Mundpflege und Lagerung
  • Einbeziehung Angehöriger in die Pflege
  • Wünsche bezüglich des Abschieds von Angehörigen, wie zum Beispiel Rituale
  • Maßnahmen bei oder nach einem eventuellen oder erwarteten Versterben unter der PST

Empathische Betreuung

Wird eine vorübergehende PST wieder reduziert, ist eine einfühlsame Begleitung zurück ins Leben sowie Fragen nach dem Erleben der Sedierung angezeigt. Patienten in dieser Situation benötigen Ehrlichkeit, Sicherheit und Vertrauen in die Begleiter.

Angehörige benötigen Unterstützung

Bei Einverständnis des Patienten erhalten Angehörige dieselben Informationen zur PST wie der Patient bzw. werden in den Entscheidungsprozess eingebunden. Es gehört dazu Angehörigen so zu schulen, dass auch sie z. B. Leiden anhand von Mimik, Körperspannung, Schwitzen oder Tränen erkennen können. Mit diesem Wissen können sie die Wirksamkeit der PST einschätzen und von den Zeichen eines normalen Sterbevorgangs (Atem-, Hautveränderungen) unterscheiden. Möglicherweise brauchen Angehörige Unterstützung, um den Mut zum Abschiednehmen zu finden. Jedenfalls benötigen auch sie Ehrlichkeit, Sicherheit und eine Ansprechpartnerin.

Ehrlichkeit, Sicherheit und Zeit im interprofessionellen Team

Im Idealfall herrscht nach einem Entscheidungsprozess Einigkeit im Team über:

  • das Zielsymptom
  • die Form der PST
  • Überwachungsform
  • Assessment
  • Evaluation und Begleittherapien

Wesentlich sind laufende gegenseitige Information und eine gut abgestimmte Form der Dokumentation

Mit Zunahme der Dauer einer PST steigt die Belastung für die professionellen Betreuer, insbesondere für die Pflege. Um solche Situationen zu meistern gehören eine reflektierte, interprofessionelle Kommunikation und regelmäßige Supervision zu den Grundbedingungen der Teamkultur. Voraussetzungen dafür sind:

Ehrlichkeit, Sicherheit und Zeit.

Die Palliative Sedierungstherapie und das pflegende „ICH“

Durch fachliche Expertise gekoppelt mit Intuition erfüllt die Pflege durch die besondere Nähe zum Patienten eine Brückenfunktion zwischen Patienten und Angehörigen, häufig auch zu den anderen beteiligten Professionen. Die besondere Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit der Patienten und Angehörigen stellt die Pflege vor hohe fachliche und kommunikatorische Herausforderungen, aber auch in Bezug auf ihre Reflexionsfähigkeit und Selbstfürsorge. Pflegende sollten bereit sein, ihre Werte und Anschauungen einzubringen und zu vertreten. Sie sollten aber auch den Mut haben, Ambivalenz auszuhalten.

 


Auch Angehörige von schwerkranken und sterben Menschen werden von unbekannten Gefühlen wie Angst, Unsicherheit, Wut, Ärger und Sorge übermannt. Das Angehörigen Begleitbuch - eine wichtige Zeit meines Lebens, bietet An- und Zugehörigen die Möglichkeit, sich mit den Belastenden Momenten auseinanderzusetzen und den Prozess der Begleitung in einer ganz individuellen und persönlichen Art und Weise festzuhalten und zu dokumentieren.

Hier geht es zum Angehörigen Begleitbuch


 

Quellen und Literatur

Alt-Epping B et al.: Sedierung in der Palliativmedizin. Leitlinie für den Einsatz sedierender Maßnahmen in der Palliativversorgung. European Association for Palliative Care (EAPC). Schmerz 2010; 24: 342-354

Bozzaro C, Schildmann J: „Suffering“ in palliative sedation: Conceptual Analysis and Implications for Decision-Making in Clinical Pracice. J Pain Symptom Management 2018; DOI 10.1016/j.jpainsymman.2018.04.003

Cherny N, Radbruch L: EAPC recommended framework for the use of sedation in Palliative Care. Pall Med. 2009; 23 (7):581-559

Schildmann E, Schildmann J: Palliative sedation therapy: a systematic literature review and critical appraisal of available guidance on indication and decision making. J Palliat Med 2014; 17 (5): 601-611

Weixler D et al: Leitlinie zur Palliativen Sedierungstherapie. Ergebnisse eines Delphiprozesses der Österreichischen Palliativgesellschaft. Wiener Medizinische Wochenschrift 2016.  DOI 10.1007/s10354-016-0533-3

 

 

Das rechnet sich!

30 % Rabatt für Auszubildende und Studierende

Auszubildende und Studierende erhalten 30 % Rabatt auf das Jahres-Abo der Zeitschriften. Als Abonnent erhalten Sie zusätzlich weitere Preisermäßigungen für viele Produkte des Verlags.

Mehr erfahren

Fachnewsletter Pflege

Exklusive Goodies  Praxis-Tipps
Aktuelles  Jederzeit kostenlos kündbar