Wissen kurzgefasst Lebensende in der Palliativ Care – was ist das?

In der Praxis wird das Lebensendes häufig in Terminal- und Finalphase eingeteilt. Eine einfache und zeitlich eindeutige Definition, wann vom Lebensende gesprochen werden kann, gibt es aber nicht. Warum Sie die Bezeichnung „Lebensende“ immer reflektiert und unter Einbezug verschiedener Professionen betrachten sollten, lesen Sie im Beitrag.

pflegen: palliativ - Kann das Lebensende eingeteilt werden?

Lebensende: Was ist das eigentlich? © Go Studio/Shutterstock.com

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Lässt sich das Lebensende in Phasen einteilen?

Eine einheitliche Definition bzw. eine eindeutige zeitliche Angabe, wann vom Lebensende gesprochen werden kann, fehlt (DKG et al., 2015). In der Literatur und in der Praxis wird das Lebensende in Terminal- und Finalphase eingeteilt. Meist werden die Begriffe verwendet, um die Besonderheiten dieser Lebensphase zu verdeutlichen und Prioritäten für die letzten Wochen, Tage oder 72 bis 48 Stunden davon abzuleiten.

Schaut man aber genau hin, zeigt sich, dass beispielsweise die Merkmale der Terminalphase nicht ausschließlich dem Lebensende zugeschrieben werden können. So treten deutliche Einschränkung in den Aktivitäten des täglichen Lebens oder häufig wechselnde Symptome (DGP, 2003) immer wieder im Krankheitsverlauf, z. B. im Rahmen einer Chemotherapie, auf. Darüber hinaus ist eine Beschreibung wie „der Patient ist terminal“ nicht professionell und entspricht nicht den Werten und der Haltung, die Fachpersonen im Gesundheitswesen allgemein und besonders in der palliativen Versorgung einnehmen sollten.

Neutraler und flexibler Begriff

Der neutralere, zeitlich nicht festgelegte Begriff „Lebensende“ wird den individuellen Verläufen des Sterbens und der Unvorhersehbarkeit der Ereignisse besser gerecht. Inzwischen wird vielfach auch der englische Begriff „end-of life Care“ benutzt (Radbruch et al., 2011). Die palliative Versorgung muss im gesamten Verlauf einer Erkrankung stets kritisch reflektiert und angepasst werden, nicht nur am Lebensende. Dazu bedarf es keiner normativen Einteilung der noch verbleibenden Zeit. Und doch zeigt sich eine Besonderheit am Lebensende, wenn der Tod unmittelbar bevorsteht. In der Literatur wird dies als „point of no return“ (Bremer et al., 2012) beschrieben. Gemeint ist die Situation, wenn das Sterben nicht mehr aufzuhalten ist. Neben allen Einteilungen und Strukturierungsversuchen darf nicht vergessen werden, dass der sterbende Mensch und seine Bezugspersonen im Mittelpunkt des Handelns stehen müssen. Möglicherweise bestimmt der betroffene Mensch gar selbst, wann sein Lebensende gekommen ist. Nicht selten äußern die Betroffenen dies nämlich erstaunlich deutlich: „Ich spüre, jetzt geht es zu Ende mit mir.“


 

Zur Ausgabe 'Lebensende'

Wie ist das Lebensende definiert? Und was bedeutet das für die End-of-life Care?
Diese Ausgabe vermittelt aktuelles Wissen und Fachkompetenz, was am Lebensende wichtig ist und wie dies in der Pflege praxisnah aufgenommen und umgesetzt werden kann.


Lebensende

pflegen: palliativ Nr. 36/2017

 


Wer spricht vom Lebensende?

Leben und Sterben müssen mehrdimensional betrachtet werden. Nicht nur deshalb sind verschiedene Professionen in der palliativen Versorgung engagiert. Daraus ergibt sich jedoch eine weitere Herausforderung, denn das Lebensende ist auch abhängig von den Definierenden. Daher ist jeweils sorgfältig zu prüfen, wer vom Lebensende spricht. Sind es die Betroffenen, die Angehörigen, die Health Professionals, die Krankenkassen oder ist es die Gesellschaft (Becker & Xander, 2012). Vor diesem Hintergrund bleibt am Ende wohl nur der sorgfältig reflektierte und möglichst emphatische Umgang mit der Situationen am Lebensende. Dies zu bewerkstelligen, ist die große Herausforderung, vielleicht auch die Kunst im professionellen Handeln – ganz unabhängig davon, wie weit oder fern das Lebensende ist.

Lesen Sie noch mehr Wissenswertes für Ihre tägliche Arbeit – gratis und unverbindlich. Auf der Website des Careum Weiterbildungsinstituts schreibt die Herausgeberin von pflegen: palliativ Elke Steudter an ihrem Arbeitsort über aktuelle Themen der Pflegepraxis.


Literatur

Becker, G.; Xander, C. (2012): Zur Erkennbarkeit des Beginns des Sterbeprozesses. In: Bormann, F.-J.; Borasio, G.D. (Hrsg.). Sterben. Die Dimensionen eines anthropologischen Grundphänomens. Berlin: Walter de Gruyter
Bremer, A.; Roesner, B.; Pott, G. (2012): Aufgaben und Funktion einer Palliativstation. In: Pott, G.; Domagk, D. (Hrsg.): Integrierte Palliativmedizin. Leidenslinderung – Patientenverfügung – Sterbebegleitung – Intuitive Ethik.

Stuttgart: Schattauer: 59 – 68
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin DGP (2003): Definitionen. Unter https://www.dgpalliativmedizin.de/ (eingesehen am 06.07.2017)
Deutsche Krebsgesellschaft DKG; Deutsche Krebshilfe, AMWF (2015): S3-Leitlinie. Palliativmedizin für Patienten mit einer unheilbaren Krebserkrankung. Unter: https://www.dgpalliativmedizin.de/ (eingesehen am 06.07.2017)
Radbruch, L. et al. (2011): Standards und Richtlinien für Hospiz- und Palliativversorgung in Europa. Teil 1. Zeitschrift für Palliativmedizin, 12 (5): 216 – 227

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