Blogreihe: gastrointestinale Symptome in palliativen SituationenIleus: die Symptome können vielfältig sein

Was ist ein mechanischer und was ist ein paralytischer Ileus? Was sind die Ursachen und Entstehungsmechanismen? Welche Symptome können auftreten? Im Beitrag finden Sie Antworten auf die gestellten Fragen und erhalten Anregungen zur pflegerischen Intervention und Beratung.

© Axel Camici

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Ileus: Was ist das?

Ein Ileus ist eine Passagebehinderung des Magen-Darm-Trakts durch partiellen oder kompletten Verschluss des Darmlumens (mechanischer Ileus) oder eine Lähmung der Darmperistaltik (paralytischer Ileus). Ein Darmverschluss tritt bei 25 Prozent der kolorektalen Tumore und bei 40 Prozent der Ovarialkarzinome auf. In 60 Prozent der Fälle ist der Dünndarm betroffen, bei einem Drittel der Patienten das Kolon und bei 20 Prozent der Patienten sind sogar beide Darmabschnitte.

Ursachen und Entstehung

Bei einem paralytischen Ileus kommt es zu einer Reduktion der Darmbewegung (Darmmotilität) beispielsweise durch Opia­te oder Anticholinergika, Neuroleptika, Antidepressiva, aber auch durch Aszites oder Peritonealkarzinose. Das Einwachsen des Tumors in das Mesenterium, den Plexus coeliacus oder andere Nervenstrukturen kann ebenfalls Ursache einer Motilitätsstörung sein.
Eine maligne intestinale Obstruktion (MIO) kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden:

  • Druck von außen auf das Darmlumen durch den Primärtumor, Metastasen, Adhäsionen infolge von Operationen oder strahlentherapiebedingter Fibrose
  • Tumorinfiltration in die Darmmuskulatur
  • Verlegung des Darmlumens durch Tumorwachstum.

Bis zu 30 Prozent der Verstopfungen oder Verengungen (Obstruktionen) werden bei Palliativpatienten durch gutartige Veränderungen wie Verwachsungen (Briden), Verklebungen  / Verwachsungen zwischen zwei Organen (Adhäsionen) oder entzündliche Darmerkrankungen ausgelöst.

Symptome

Die Symptome hängen vor allem von der Lokalisation 
des Darmverschlusses ab:

  • Magenausgang / Duedenun

  • Dünndarm

  • Dickdarm.

Häufig leiden die betroffenen Menschen unter Übelkeit und eventuell Erbrechen. Die abdominellen Schmerzen können kontinuierlich oder kolikartig sein. Weitere mögliche Symptome sind Diarrhö, Blähungen (Meteorismus) Singultus und Appetitstörungen. Zu beachten ist, dass ein Ileus als Auslöser einer Diarrhö unter Umständen übersehen wird.

Operative und medikamentöse Behandlung 
 

Je nach Allgemeinzustand des Patienten / der Patientin und Ursache der malignen Obstruktion, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Bei Personen mit Aszites, ausgeprägter Infiltration sowie in der Finalphase besteht in der Regel keine OP-Indikation. Sie werden symptombezogen medikamentös behandelt.

Bei anhaltendem Erbrechen kann das Legen einer nasogastralen Sonde erwogen werden, um so das gestaute Sekret abzuleiten. Hat der Patient noch eine Lebenserwartung von mehreren Wochen, ist auch die Anlage einer PEG-Sonde als Ablaufsonde durch Haut und Bauchwand in den Magen zu überdenken.

Eine künstliche (parenterale) Ernährung fördert die gastrointestinale Sekretion und sollte daher kritisch abgewogen werden.

Antiemetika, wie Haloperidol (2,5 –10 mg/d s.c. (subkutan) oder Dimenhydrat (100 –200 mg/d s.c.), können die Übelkeit lindern. Eine orale Medikation wird häufig allerdings nicht toleriert. Bei inkompletter Obstruktion kann Metoclopramid sowohl die Übelkeit und den Brechreiz mindernd als auch die Darmbewegung fördern. Zur Reduktion der gastrointestinalen Sekretion können N-Butylscopolamin (40–80 mg/d s.c.) oder auch Octreotid (2- bis 3-mal 0,05-0,1 mg/Tag s.c. oder i.v., Steigerung bis 0,6 mg als Tagesdosis) infrage kommen.

Kortison kann eine durch den Tumor bedingte Schwellung (peritumorales Ödem) reduzieren und dadurch eventuell eine Passagestörung beheben. Gleichzeitig wirkt es antiemetisch.
Bei kolikartigen Schmerzen können Metamizol (1.000– 4.000 mg/d s.c. oder i.v.) oder Butylscopolamin (40 – 80 mg/d s.c./ i.v.) zu einer Linderung der Koliken führen. Auch sollten hierbei prokinetische Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon sowie Laxantien sofort abgesetzt werden. Nicht-kolik­artige Schmerzen sind effektiv mit Morphin s.c. zu lindern.

Bei paralytischem Ileus und ausgeprägter Obstipation kann eine Stimulation mit Laxantien oder Einläufen anregend wirken. Die betroffene Person sollte jedoch auf Verschlimmerung ihrer Symptome engmaschig überwacht werden.

Pflegerische Interventionen und Beratung
 

Zur Schmerzlinderung bei paralytischem Ileus und ausgeprägter Obstipation können feuchtwarme Wickel oder Ölauflagen bzw. Einreibungen mit Fenchel-, Koriander-, Kreuzkümmel- oder Kümmelöl in Betracht gezogen werden.

Ein Ileus-Patient muss nicht automatisch Nahrungskarenz einhalten; nur vor einer vorgesehenen Operation ist dies nötig. Abhängig vom individuellen Bedürfnis der betroffenen Person und ihrer Vorlieben, können ihr leichte, kleine und weiche Speisen bzw. Flüssigkeiten angeboten werden.

Bei schwerem Erbrechen sollte über eine Flüssigkeitssubstitution und eine Mundpflege mit Eiswürfeln nachgedacht werden. Beim Erbrechen sollte man die betroffene Person nach ihren Bedürfnissen – beispielsweise durch Lagerung und Hilfsmittel – unterstützen und ihr anschließend eine Mundpflege ermöglichen.

 


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Literatur
Bausewein, C.; Roller, S.; Voltz, R. (2015): Leitfaden Palliative Care. 5. Auflage. München: Urban & Fischer
Becker, G.; Jaroslawski, K.; Momm, F. et al (2009): Maligner Aszites: Pathogenese, Diagnose und Möglichkeiten der Symptomkontrolle. Z Palliativmed 10:141–153
Ferrell, B.; Coyle, N.; Paice, J. A. (2015): Oxford textbook of palliative nursing. Oxford: Oxford University Press 
Jaroslawski, K.; Siemens, W.; Becker, G. (2014): Maligner Aszites. Pathogenese – Diagnostik – Behandlungsmöglichkeiten. Onkologe; 20:1003-1009
Rémi, C. (Hrsg.) (2015): Arzneimitteltherapie in der Palliativmedizin. 2. Auflage. München: Urban & Fischer
Ständer, S.; Zeidle, C.; Augustin, M.; , Gudrun Bayer, G. et al. (2016): S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus Leitlinie chronischer Pruritus, AWMF-Reg.Nr.: 013-048; Version 3.0/2016, Stand: 08.05.2016

*Für Angaben und Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag keine Gewähr übernommen werden. Entsprechende Angaben sind vom jeweiligen Anwender im Einzelfall zu überprüfen. 

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