Spiritualität in der Pflege demenzerkrankter MenschenSpiritualität erleichtert Zugang zu Menschen mit Demenz

Spiritualität ist persönlich und kann Halt geben. Was bedeutet Spiritualität und welche Rolle spielt sie in der Pflege von Menschen mit Demenz im Alltag und am Lebensende? Im Beitrag finden Sie hilfreiche Aspekte für eine spirituelle Begleitung und konkrete Handlungsempfehlungen.

 Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz: Impulse für die Praxis.

Demenz und Spiritualität: Aspekte der Spiritualität in der alltäglichen und palliativen Begleitung von Menschen mit Demenz. © Evgeny Vinogradov/Shutterstock.com

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Spiritualität ist Teil des Total-Pain-Konzepts von Cicely Saunders und gehört zum Fundament von Palliative Care. Spirituelle Begleitung, gesehen als kultursensible Spiritual Care, hat die Verwundbarkeit von Menschen am Lebensende im Blick und achtet sensibel auf ihre Würde (Conradi, 2001; Birkholz, 2013).

Spiritualität in der Pflege von Menschen mit Demenz: Vertrauen, Geborgenheit, Zuversicht und Nähe

Spiritualität in der Pflege ermöglicht, einen Weg zu Menschen mit Demenz zu finden, im Kontakt zu sein und zu bleiben. Eine Spiritualität der Demenz lässt sich auf die Verunsicherung und die Fremdheit des dementierenden Verhaltens und Erlebens ein. Begleitende können daher im Hier und Jetzt und mit allen Sinnen Spiritualität als Dimension und als Ressource in der palliativen Begleitung von Menschen mit Demenz entdecken.

Was bedeutet Spiritualität?

Welche Formen spiritueller Begleitung am Lebensende sind angemessen und hilfreich für Menschen mit Demenz? Wie erkenne ich eine spirituelle Dimension? Wer ist für die spirituelle Begleitung zuständig? Wie werden spirituelle Bedürfnisse und Schmerzen erkannt? Wie können im Kontext von Palliative Care spirituelle Räume mit und für Menschen mit Demenz initiiert und gestaltet werden? Es ist kein Zufall, dass das Thema Spiritualität zunächst viele Fragen aufwirft. Eine einheitliche Definition von Spiritualität gibt es nicht. Spiritualität kann sehr persönliche Symbole mit traditionellen Vorstellungen einer Religion und mit konkreten Lebenserfahrungen verbinden. Das ist der Stoff, aus dem die Worte und Bilder für das Unaussprechliche gefunden werden.

Spiritualität in der Pflege: Was kann sie bewirken?

Wenn die kognitive Ebene mit zunehmender Demenz immer weniger zur Verfügung steht, bleibt die Erfahrung über Gefühle bestehen und bekommt eine größere Bedeutung. Sich lebendig zu spüren, kann zu einer Verankerung führen in den Stürmen des Lebens: Sie lässt dann Vertrauen in Unsicherheit erfahren, Geborgenheit im Ungeborgenen, Zuversicht in Angst, Nähe in der Verlassenheit. Sie gibt Halt im Haltlosen und wird zu einem Anker in der Erfahrung der Selbstverunsicherung. Diese Qualitäten können Wesensmerkmale von Spiritualität sein und potenziell den Stress reduzieren, wenn belastende Gefühle wie Angst, verzweifelte Desorientierung, Heimatlosigkeit etc. einen Menschen mit Demenz belasten.

Aspekte spiritueller Begleitung bei Demenz im Kontext von Palliative Care


 

Zu 'Impulse für die Praxis'

Die Fachpublikation Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz sensibilisiert professionell und ehrenamtlich Mitarbeitende für die besonderen Herausforderungen in der Praxis und bietet ihnen Handlungsempfehlungen an.


Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz

Impulse für die Praxis

 


Handlungsempfehlung: Spiritualität in der Pflege

  • Spiritualität ist Verbundenheit. Seien Sie offen für eine Begegnung.
  • Spiritualität ist mehr als Religiosität: Weiten Sie Ihren Blick für das, was von Bedeutung für einen Menschen ist.
  • Üben Sie, in Ihren Alltagshandlungen präsent zu sein, d. h., schenken Sie dem, was Sie tun, Ihre volle Aufmerksamkeit.
  • Machen Sie sich Ihr eigenes Verständnis von Spiritualität bewusst; es wird Sie sensibilisieren für andere.
  • Lassen Sie sich von der spirituellen Dimension im Alltag überraschen. Sie werden sehen, es ist nicht neu, aber vielleicht haben Sie jetzt ein Wort für eine Dimension in den Begegnungen, die bisher unbenannt war.

 

Literatur

Birkholz, C. (2013): Demenz. mit Herz. Praxis Palliative Care, 21: 32 – 33

Birkholz, C. (2016): Spirituelle Begleitung in Palliative Care und Demenz. In: Dibelius, O. et al. (Hrsg.): Palliative Care für Menschen mit Demenz, Bern: Hogrefe, 163 – 176

Birkholz, C. (2017a): Spiritualität – die leisen Töne in der Begegnung mit sterbenden alten Menschen. Fachzeitschrift für Palliative Geriatrie, 1/2017: 34 – 37

Birkholz, C. (2017b): Spiritual Care bei Demenz. München, Basel: Reinhardt

Conradi, E. (2001): Take Care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit. Frankfurt / Main: Campus

Feil, N.; Klerk-Rubin, V. de (2013): Validation. Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen.10. Auflage, München, Basel: Reinhardt

Kitwood, T. (2008): Demenz. Der person-zentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen. 5. Auflage, Bern: Huber

Kojer, M. (Hrsg.) (2009): Alt, krank und verwirrt. Einführung in die Praxis der palliativen Geriatrie. Freiburg, Br.: Lambertus.

Kojer, M.; Schmidl, M. (2011): Demenz und palliative Geriatrie in der Praxis. Heilsame Betreuung unheilbar demenzkranker Menschen. Wien: Springer.

Saunders, C. (1974): Glaube. In: Saunders, C. (2009): Sterben und Leben. Spiritualität in der Palliative Care. Zürich: TVZ: 24 – 37

 

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