Die Rolle des Patienten – damals und heutePatienten im Krankenhaus: War früher wirklich alles besser?

„Welche Medikamente bekomme ich?“ „Um wie viel Uhr werde ich entlassen?“ „Wann gehen die Untersuchungen weiter?“ Diese und andere Fragen werden häufig von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus gestellt. Heute sind diese Fragestellungen alltäglich. Drehen wir die Jahresuhr etwas zurück, sind diese einfachen Sätze nicht mehr selbstverständlich.

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Ein Krankenhausaufenthalt stellt in der Regel für jeden Menschen eine außergewöhnliche Situation dar. Auch wenn sich Kliniken im Verhältnis zu früher stark verändert haben.

Die Rolle des Patienten im Krankenhaus 

Die Rolle des Patienten im modernen Krankenhaus befindet sich im Wandel. 1974 beschrieb Jürgen Rohde ein Krankenhaus als Ort, das den Patienten entmündige und auf einen Kinderstatus zurückwerfe. Dabei verweist er auf einige Beispiele, die auch in der heutigen Zeit noch Gültigkeit haben. So wird beispielsweise von Patientinnen und Patienten erwartet, dass sie liegen, auch wenn dies nicht indiziert ist: „Kaum denkbar, einen längst wieder gehfähigen Patienten bei der Visite, freundlich lächelnd, neben seinem Bett stehen zu sehen, um dem Chefarzt … in normaler Relation Rede und Antwort zu stehen“ (Rohde 1974, S. 397). Insgesamt stellte sich die Situation der Krankenhauspatienten folgendermaßen dar:

• Sie werden isoliert, eingeengt auf das Krankenzimmer.

• Die Kontakte mit Ärztinnen und Ärzten sind zu selten, zu kurz, inhaltlich zu dürftig.

• Vieles ist unverständlich und verstärkt die Vorurteil, dass die Mitarbeitenden im Krankenhaus einem nicht immer Wahrheit sagen.

• Durch die vagen Kenntnisse und Vorstellungen entwickeln sich Ängste vor den „feindlichen“ medizinischen Apparaten.

• Sie stellen keine Fragen. Sie erwartet, dass die Ärztin/der Arzt zu ihnen kommt und nicht umgekehrt.

Was davon trifft auch noch im 21. Jahrhundert zu? 

Heute sprechen wir von Kundenorientierung und dem mündigen Patienten. Im Zuge der öffentlichen Diskussionen zum Gesundheitssystem und aufgrund der Vielzahl an medizinischen Informationen, hat sich in den letzten Jahren die Selbstsicherheit der Patientinnen und Patienten gegenüber dem medizinischen und pflegerischen Personal sichtbar verändert. Wurden medizinische und therapeutische Maßnahmen früher eher unreflektiert hingenommen, hinterfragen Patientinnen und Patienten heutzutage ihre Behandlungen deutlich häufiger. Sie sind kritischer und informierter. Viele nehmen wesentlich intensiver und verantwortlicher am Heilungsprozess teil und erwarten eine respektvolle und gleichrangige Einbeziehung in medizinische Entscheidungen. Immer weniger Patientinnen und Patienten geben sich mit den Entscheidungen des medizinischen Personals ungefragt zufrieden. Sie möchten differenzierte und verständliche Informationen. Damit stellen sie Pflegepersonen, Therapeuten und Mediziner jeden Tag aufs Neue vor besondere Herausforderungen. Dabei darf man nicht vergessen:

  • Patienten nehmen als Kundin oder Kunde eine Leistung in Anspruch, die sie/er privat oder indirekt über Krankenkassenbeiträge bezahlt.
  • Patienten sind es gewohnt, dass medizinische Leistungen öffentlich diskutiert werden und auf den Prüfstand kommen.

Diese Punkte machen Patienten zu mündigen Patienten und aus Sicht des Krankenhauspersonals auch manchmal zu „herausfordernden“ Patienten. 

In der Praxis sind neben dieser Gruppe aber auch solche Patienten und Patientinnen zu beobachten, die sich nicht trauen, auf berechtigten Forderungen nach Aufklärung und Information zu beharren oder beispielsweise eine zweite Meinung einzuholen. Sie schweigen lieber, statt nachzufragen. Viele Patienten fühlen sich auch noch dem alten Rollenbild des braven, unselbstständigen, abhängigen Patienten verpflichtet. Auch heute noch werden eigentlich selbstbewusste und eigenverantwortliche Personen zu ängstlichen, konfliktscheuen Menschen, sobald sie sich in der Klinikumgebung befinden. In der Krankenhaushierarchie ordnen sie sich weit unten ein und stellen diese niedrige Position auch nicht infrage.


 

Krankenhaus

Die Materialbeilage zu diesem Heft besteht aus drei abwaschbaren Info-Tafeln „Im Krankenhaus“. Diese können im Zimmer des demenzkranken Patienten aufgehängt und täglich mit neuen Daten aktualisiert werden. Sie informieren über Zeit und Ort, den Grund des Aufenthaltes, die Telefonnummern der Angehörigen und die nächsten Untersuchungstermine.


Krankenhaus – Materialpaket

pflegen: Demenz Nr. 39/2016

 


 

Mehr zur Kommunikation im Krankenhaus und verschiedenen Gesprächmethonden finden Sie zum Beispiel hier:

 Kommunikation in der Pflege: Durch Methoden der Idiolektik ein vertrauensvolle Beziehung gestalten

Finden Sie Ihr Rolle im Pflegeteam 

Wenn Patienten Symptome googlen: 5 Tipps für ein beruhigendes Gespräch

 

Literatur

Rohde, J.: Soziologie des Krankenhauses, 2. Aufl. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1974.

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