Pflege 4.0Kamera aus!

Datenschutz und Digitalisierung: Die fortschreitende Digitalisierung bezieht sich nicht nur auf die Arbeitsabläufe in der Pflege. Dürfen Mitarbeitende bei der Arbeit gefilmt werden? Und wie verhalte ich mich, wenn Patienten Bilder mit dem Smartphone machen?

Smartphone Foto

tookapic/pixabay CC0 Creative Commons

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Videoaufnahmen werden in vielen Kliniken in verschiedenen Bereichen eingesetzt, etwa zur Diagnostik, zu Schulungszwecken oder aus Sicherheitsgründen. Wo aber darf überhaupt gefilmt werden, und was passiert anschließend mit den Videos? Dafür gibt es klare Regeln.

Keine Dauerüberwachung

Beginnen wir mit den Videokameras, die in vielen Klinikfluren installiert sind. Diese sogenannten Verkehrswege werden häufig aus Sicherheitsgründen überwacht. Es geht also nicht darum, die Mitarbeiter zu kontrollieren, weswegen auch kein Arbeitsplatz dauerhaft zu sehen sein darf. Denn ständiger Überwachungsdruck verletzt das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Falls ein Mitarbeiter den Eindruck hat, er sei permanent im Bild, kann er sich an den Betriebsrat wenden, damit die Kamera anders eingestellt wird. Anders sieht es natürlich aus, wenn ein Mitarbeiter beispielsweise aus Sicherheitsgründen eine Überwachung wünscht und dies schriftlich bestätigt, weil er selbst dadurch ein besseres Gefühl hat. Routineaufnahmen von Überwachungskameras auf Fluren dürfen übrigens ohne Anlass nicht ausgewertet und auch nicht archiviert werden.

Erlaubnis zwingend erforderlich

Videoaufnahmen werden auch zur Diagnostik eingesetzt, etwa im Schlaflabor, in der Psychiatrie oder bei Anfallsleiden. Sie dienen zudem Schulungszwecken und sind hilfreich bei der Supervision. Wichtig ist dabei: Alle Beteiligten müssen sowohl den Aufnahmen als auch der Verwendung zustimmen. Falls die Bänder für andere Zwecke eingesetzt werden sollen – zum Beispiel möchte ein Arzt ein Video aus dem Schlaflabor bei einem Vortrag zeigen – muss er sich eine Genehmigung aller Personen einholen, die zu sehen sind, also selbstverständlich auch der Pflegenden. Wird solch ein Video ohne die notwendigen Einverständniserklärungen online veröffentlicht, können Sie verlangen, dass es sofort wieder entfernt wird. Im medizinischen Bereich werden übrigens in der Regel ohnehin nicht alle Aufnahmen gespeichert. Ein gutes Beispiel ist der Aufwachraum. Die Kamera überträgt ohne Aufzeichnung live, damit das Pflegepersonal einen besseren Überblick hat.

Videos von Patienten

Ein schwieriges Thema sind Fotos sowie Handyvideos von Patienten oder Angehörigen. Aufnahmen sind in vielen Kliniken untersagt, werden in der Praxis jedoch meistens toleriert, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Ganz wichtig ist es jedoch, Kontrolle über das Material zu behalten, also Patienten nicht wahllos filmen zu lassen. Am besten erkundigen Sie sich, welche Regeln in Ihrem Haus gelten. Selbstverständlich gilt auch hier: Als Pflegende sollten Sie klar äußern, wenn Sie nicht aufs Bild möchten. Eine Aufnahme ist in diesem Fall rechtlich nicht gestattet.

Smartphone bei Beschwerden

Es ist schon passiert, dass sich ein Patient beschweren wollte und die Situation mit dem Handy gefilmt hat. Es ist menschlich, dass das Pflegepersonal in so einem Moment genervt reagiert. Selbst wenn keinerlei Fehlverhalten vorliegt, kann solch ein Video im Internet jedoch einen falschen Eindruck erwecken. Dass die Veröffentlichung rechtlich eigentlich nicht zulässig war, ändert im Nachhinein nichts an einem eventuellen Imageschaden. Zunächst sollten Sie den Patienten freundlich darum bitten, die Kamera auszuschalten und sich an die Hausordnung zu halten – bevor Sie sich inhaltlich zur Sache äußern.

Bilder für die Öffentlichkeitsarbeit

Komplizierter wird es bei der internen Kommunikation und der Öffentlichkeitsarbeit. Grundsätzlich hat in Deutschland jeder Mensch ein „Recht am eigenen Bild“. Er darf also selbst entscheiden, ob ein Foto von ihm veröffentlicht wird. Eine typische Ausnahme ist ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit. Politiker können sich gegen Schnappschüsse also nicht wehren – aber die Kollegen in der Pflege durchaus. Sie müssen eine entsprechende Einwilligungserklärung unterschreiben, sonst sind Aufnahmen datenschutzrechtlich nicht gestattet. Falls Sie selbst Fotos schießen, respektieren Sie daher bitte unbedingt den Wunsch Ihrer Kollegen. Das gilt auch für Gruppenbilder und Porträtaufnahmen, auf denen sich die Belegschaft vorstellt – unabhängig davon, ob sie für die offizielle Homepage oder eine private Facebook-Seite gedacht sind. Grundsätzlich lassen sich die wichtigsten Tipps also folgendermaßen zusammenfassen: Die technischen Möglichkeiten nehmen zwar permanent zu, doch die beteiligten Personen müssen zustimmen, ehe Bilder und Videos verwendet werden können.

Gefährlicher Mail-Verkehr

Für digitale Daten gilt natürlich dieselbe Vertraulichkeit wie für Papierakten. Selbst wenn ein berechtigtes Interesse an den Informationen besteht oder der Patient die Weitergabe genehmigt hat, bleibt der Weg oft ein Problem. Entweder die Daten werden dem Patienten über ein digitales Medium (USB-Stick) ausgehändigt, oder die Kollegen, beispielsweise aus der Praxis eines niedergelassenen Arztes, bitten um einen Versand per Mail. Ohne Verschlüsselung ist das technisch jedoch höchst unsicher und sollte gerade bei sensiblen Daten unbedingt vermieden werden. Erkundigen Sie sich daher bei der IT-Abteilung nach den zur Verfügung stehenden Verschlüsselungstechniken, denn normale E-Mails können relativ leicht gehackt werden.

 


 

Weitere Informationen zum Thema Pflege 4.0 finden Sie in der dritten Ausgabe von gesund pflegen.

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