Patienten im Krankenhaus — weniger Stress als angenommenPflegefachpersonen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung

Häufig schätzen Pflegefachpersonen im Krankenhaus die Situation von Patientinnen und Patienten negativer ein als sie selbst. Durch Ressourcenaktivierung und dem Kontakt zu Angehörigen, können Pflegefachpersonen die Erfahrung eines Krankenhausaufenthalts für Patientinnen und Patienten noch angenehmer machen. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag.

|

Meist ist der Grund für eine stationäre Versorgung ein negatives Ereignis. Dennoch zeigte sich bei einer umfangreichen Untersuchung im Rahmen meiner Dissertation, dass die Mehrheit der Patienten den Krankenhausaufenthalt überraschenderweise nicht als Stresssituation erlebten – weder auf situativer, kommunikativer noch emotionaler Ebene. Entgegen möglichen Vorannahmen, bedeutet ein Krankenhausaufenthalt auch nicht in jedem Fall eine enorme Belastung für die Patienten. Tatsächlich zeigte sich, dass die meisten Personen den Klinikaufenthalt gut bis sehr gut verkraften und sich im Krankenhaus wohlfühlen. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Und was folgt daraus für die Mitarbeitenden?

Ressourcenaktivierung 

Hier ist zunächst an persönliche Einstellungen der Patientinnen und Patienten zu denken:

  • Eine optimistische Grundhaltung wirkt sich positiv auf die Bewältigung der Krankenhaussituation aus.
  • Handlungsorientierung, Widerstandsfähigkeit (Hardiness), sowie das Empfinden, wie stark man die Situation selbst beeinflussen kann, sind weitere Faktoren, die möglicherweise eine Krankenhaussituation stressfreier machen. Handlungsorientierte Personen erleben sich als weniger hilflos und ausgeliefert. Sie sehen sich in der Lage, ihre Situation positiv zu beeinflussen.

Die Ressourcenaktvierung erfährt eine Bestätigung durch den Ansatz von Aaron Antonovsky: Menschen, die über starke Ressourcen verfügen, verarbeiten die Situation besser, können sogar von eigentlich kritischen Erlebnissen profitieren und sich positiv weiterentwickeln. Andere, weniger „starke“ Personen leiden mehr unter den negativen Erlebnissen.

Die praktische Erfahrung zeigt zudem, dass Patienten sich häufig mit anderen Patienten vergleichen. Werden sie gefragt, wie sie die Gesamtsituation verkraften, antworten sie häufig sinngemäß:

  • „Anderen geht es noch viel schlechter.“
  • „Wenn ich Patientin XY sehe, dann habe ich ja noch Glück gehabt.“

Das Erleben von Leid anderer Patienten im Krankenhaus muss nicht zwangsläufig zum „Mit-Leiden“ beziehungsweise einer depressiven Situationsverarbeitung führen, sondern kann die eigene optimistische Haltung fördern, weil man sich selbst als gesünder als andere erlebt. Außerdem kommt es vermutlich zu einem Wechselwirkungsprozess zwischen diesen positiven Coping-Strategien auf Seiten der Patient und dem Verhalten der Mitarbeitenden auf der anderen Seite.

Positiver Einfluss durch Angehörigen 

Die Ergebnisse der Studie belegen eindeutig, dass soziale Unterstützung sich positiv auf die Bewältigung des Krankenhausaufenthalts auswirkt. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Besucherinnen und Besucher des Patienten. Hierzu gehören in erster Linie die Angehörigen, Freunde, Arbeitskollegen − aber auch Nachbarn oder Bekannte.


 

Krankenhaus

Für das Personal stellen demenzkranke Patienten eine große Herausforderung dar. Sie verhalten sich nicht kooperativ, antworten nicht oder nicht sinngemäß auf Fragen und kommen Aufforderungen nicht nach. Häufig kann das Personal ihr Verhalten nicht einordnen, da die Diagnose Demenz gar nicht gestellt wurde und keine Kenntnisse über die Krankheit vorhanden sind.


Krankenhaus

pflegen: Demenz Nr. 39/2016

 


Die Meinung der Mitarbeitenden 

Pflegepersonen und andere Berufsgruppen im Krankenhaus sind sich einig: Sie schätzen die Krankenhaussituation negativer ein als die Patientinnen und Patienten. Sie sehen mehr Probleme und Belastungen für diese Personen. Beispielsweise wird die häusliche Versorgung von den Mitarbeitenden sehr häufig als problematisch benannt, von den Patienten nahezu gar nicht. Mitarbeitende nennen auch mehr situative und emotionale Stressfaktoren als die Patienten selber.

Fazit 

Grundsätzlich sollten Patientenäußerungen und -meinungen sehr ernst genommen und erfragt werden. Patientinnen und Patienten machen von sich aus relativ wenige Angaben zu unangenehmen Erlebnissen. Mitarbeitende sollten darin geschult werden, mit unangenehmen Befindlichkeiten der Patienten umzugehen, damit sie diese ermuntern können, negatives Erleben und Befinden zu äußern. Das gibt auch den Pflegefachpersonen selbst Sicherheit und entlastet sie emotional. Es sollte allen bewusst sein, dass viele Patienten diesbezüglich sehr zurückhaltend sind. Die Umgangsweisen der Mitarbeitenden mit den Patienten wurden von diesen überwiegend positiv bewertet. Fühlen sich diese ernst genommen, unterstützt und gut informiert, wird der Krankenhausaufenthalt nicht als Stresssituation erlebt.

Das wichtigste kurz gefasst 

  • Pflegefachpersonen und anderes Krankenhauspersonal sollte darin geschulte werden, mit unangenehmen Befindlichkeiten der Patienten umzugehen.
  • Pflegefachpersonen sollten Patientinnen und Patienten nach Möglichkeit aktiv in die notwendigen Behandlungen und Interventionen einbeziehen. Dadurch wird es ihnen besser gelingen, die Gesamtsituation positiv zu verarbeiten.
  • Pflegefachpersonen sollten Angehörige als passive du aktive Unterstützer sehen und deren Besuch fördern. 

 

Literatur

Antonovsky, A: Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. dgvt-Verlag, Tübingen 1997.

Haan, B.: Die psychische Situation von Patienten im Allgemeinkrankenhaus. Universität Dortmund 2011.

Willig, W.: Arbeitstexte für Psychologie, Soziologie, Padagogik an Pflegeschulen.10. Aufl. Selbstverlag Willig, Balingen 1995.

Das rechnet sich!

30 % Rabatt für Auszubildende und Studierende

Auszubildende und Studierende erhalten 30 % Rabatt auf das Jahres-Abo der Zeitschriften. Als Abonnent erhalten Sie zusätzlich weitere Preisermäßigungen für viele Produkte des Verlags.

Mehr erfahren

Fachnewsletter Pflege

Exklusive Goodies  Praxis-Tipps
Aktuelles  Jederzeit kostenlos kündbar